• The Nest

Ein Haus stellt sich vor

Das Nest, unser Co-Space, liegt in einem historischen Gebäude in 1170 Wien. Wir haben etwas nachgeforscht und wollten euch mal zeigen was ein Gebäude so durchlebt.


Wie oft hast du schon wo gewohnt und dich gewundert:

Wer und wieviele haben hier überhaupt vorher gelebt? Was haben diese Leute hier gemacht, was ist hier vor mir passiert, wie hat es wohl ausgesehen...?


Nein, es geht heute nicht um Geisterbeschwörung (oder vielleicht doch ein bisschen) sondern um knallharten Haus-Historismus!


Diese Fragen haben wir uns beim Umbau gestellt und siehe da: Manchmal muss man lange forschen aber manchmal reicht auch einfach ein schöner Zufall.



It's Biedermeier, Baby

Das wir wissen, dass das heutige Haus eine Kaffeemühlenfabrik war verdanken wir dem Keller der Oma.

Biedermeier, das ist die Periode zwischen 1815 and 1848. Eine Zeit des Bürgerlichkeit, in der nach Idylle und schlichter Eleganz gesucht wurde. Gar nicht unähnlich zu heute, wo Minimalismus, sauberes und "cleanes" Design und der Wunsch nach Natur allgegenwärtig sind.


Rezept für einen Biedermeier Kaffee
1 großer Brauner + 1 Schuss Marillen Likör + ordentlich Schlag drauf

Das wir wissen, dass das heutige Haus eine Kaffeemühlenfabrik war verdanken wir dem Keller der Oma. Dort haben wir zwischen Stickbildern und Staub den Originaldruck hervorgezogen und siehe da: das Haus hat sich über die Jahre vielleicht etwas hübsch gemacht aber viel ist gleich geblieben. An der Ecke steht jetzt eine große Sonnenuhr. Der Fabriksschornstein wurde in Pension geschickt und schläft gemütlich zwischen den Dächern.

Habemus Kaffeemühle

wozu gibt es das Internet wenn nicht um antike Kaffeemühlen aufzuspüren?

Kaffeemühlen von damals haben wir leider keine mehr (oder sie liegt auch wo versteckt im Keller) aber wozu gibt es das Internet wenn nicht um antike Kaffeemühlen aufzuspüren?

Und Dank dem lieben Chris von Old Coffee Grinders wissen wir nicht nur, dass es sich um Trapezmühlen handelte, die hier hergestellt wurden sondern:

" Wahrscheinlich wurden die ersten dieser Mühlen von Ignaz Hauts, der 1851 eine

Eisengussfabrik in Wien gründete, hergestellt. Die ersten Mühlen waren komplett aus Guss hergestellt, ab ca. 1880 wurde der Gusskörper gegen einen aus Holz ersetzt was das Gewicht erheblich reduzierte."

Fotos (c) Old Coffee Grinders


Holzliebe und Druckerschwärze

Der Geruch von Druckertinter und Foto-Labor lag bis in die 90er Jahre in der Luft.

1920 übernimmt das aus Tschechien stammende Ehepaar Johannes und Maria Stribersky die Fabrik und machen eine Tischlerei daraus. Geblieben von damals ist nur mehr dieser Schrank und meine Familie. Nur heißt sie jetzt Ziegler.

In den oberen Stöcken lebte die Familie lange. Meine Groß-Tante erzählte mir, als ich klein war, wie sie in der Badewanne den Weihnachtskarpfen hielten, dass im Hof ihre Hühner wohnten und prinzipiell dort auch immer viel Wäsche aufgehängt wurde. Als der Krieg 1939 kam wurde die Tischlerei aufgelassen und nach Kriegsende Wohnraum geschaffen. Auf dem Raum einer Familie lebten nun bis zu 13 Parteien in günstigen Wohnungen oder auch nur Zimmern. Eine Buchbinderei zog ins Erdgeschoß ein sowie ein Fischladen. In den 70ern wurde das Erdgeschoß des Hauses eine Druckerei. Plakate wurden hergestellt, Flyer und Poster auf großen hämmernden Maschinen gedruckt. Der Geruch von Druckertinter und Foto-Labor lag bis in die 90er Jahre in der Luft .

Hühner mit Historie

Die Groß-Tant' wär stolz g'wesen.

In den 70er Jahren wurde das Haus generalsaniert und umdekoriert und das war auch nötig. Die etwas tristen Fabrikswände wurden bunt angestrichen, Stiegen ersetzt oder entfernt. Der Hühnerstall (der im Bild unten hinter Binsenwände versteckt liegt) war schon lange leer und wurde entfernt. Bäume und ein Garten wurde gepflanzt und ein Fischteich ausgehoben. Statt Holzspänen, Fischgräten und Druckerschwärze gibt es jetzt Laptops und Bürotische in den Hallen. Dem bunten Hof merkt man die Fabrik kaum mehr an und niemand hängt im Hof mehr Wäsche auf. Einzig die Hühner sind, nach all diesen Jahren, wieder eingezogen. Die Groß-Tant' wär stolz g'wesen.



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